Es duftet nach Liebe

Die Anthologie „Es duftet nach Liebe“ enthält 14 homoerotische Kurzgeschichten von deutschen Autoren, die sich unter dem Begriff Kuschelgang zusammengeschlossen haben. Das Buch ist die erste gemeinsame Veröffentlichung, weitere Anthologien sind bereits erschienen (z.B. „Farben der Liebe“) oder in Planung. Folgende Geschichten kann man in der Anthologie finden:

Flower Power: Orchidee von Isabel Shtar
Volles Programm: Schokolade und Chili von Ashan Delon
Sandelholz und Lindenblüten von Malin Wolf
Sommerregen von Moos Rose
Verlieben unerwünscht: Sonnenblumen von Nico Morleen
Kirschgarten von Karo Stein
Heißes Eisen, warmes Holz von Nathan Jäger
Garniert mit Hagelzucker und Liebe von Moos Rose
Kaffee trifft Schokolade von Karolina Peli
Wonach mein Märchenprinz duftet von Caitlin Daray
Kein Sommertraum: Heu & Pferd von Chris P. Rolls
New Dimensions von Ashan DelonW
Wilde Hyazinthen von Malin Wolf
Viel zu viele Veilchen von Isabel Shtar

Insgesamt enthält die Anthologie elf schwule Kurzgeschichten, drei erzählen von der Liebe zwischen zwei Frauen.

Wie der Titel schon vermuten lässt, dreht es sich bei den lockerleichten Geschichten um Düfte/Gerüche. Dabei spielt es keine Rolle, ob damit Blumen, Essen oder der Körperduft einer bestimmten Person gemeint sind – „Es duftet nach Liebe“ deckt diverse Möglichkeiten ab und präsentiert sich dadurch überraschend vielseitig. Es ist interessant, wie unterschiedlich die Autoren die Thematik umgesetzt haben. Teilweise sind die Ideen nicht sonderlich innovativ, die Figuren zu blass, die Geschichten vorhersehbar und zu kurz gehalten, doch es gibt durchaus einige Perlen, die sich lohnen.

Darunter fällt „Kirschgarten“ von Karo Stein, die Dank der interessanten Hintergründe um die Figuren und den ungewohnt ernsten Ton mehr Tiefgang aufweist, als die meisten anderen Geschichten. Denn leider wirken die meisten Beiträge sehr blass und nichtssagend. Sie lassen sich zwar gut lesen, doch es bleibt kaum etwas vom Inhalt hängen, was schade ist. Hier und da wäre mehr Tiefe nicht schlecht gewesen.
Auch die Kurzgeschichte „Heißes Eisen, warmes Holz“ von Nathan Jäger ist vom Konzept her interessant und spricht ein ernsteres Thema an, wenngleich die Handlung noch mehr Platz gebraucht hätte um sich zu entwickeln.
Ebenfalls lesenswert sind die Geschichten „Wonach mein Märchenprinz duftet“ von Caitlin Daray und „Kein Sommertraum: Heu & Pferd“ von Chris P. Rolls. Beide Autorinnen beweisen ihr Können und überzeugen mit solide geschrieben und witzigen Beiträgen, die gerne eine Fortsetzung erfahren dürfen.

Neben den schwulen Geschichten gibt es auch drei lesbische Stories, die allerdings ein wenig aus dem Rahmen fallen, da sie zu stark in der Minderheit sind. Zudem kann nur eine Kurzgeschichte wirklich überzeugen: „Wilde Hyazinthen“ von Malin Wolf, da man den Figuren und der Handlung genügend Platz einräumt, um sich zu entwickeln. Zudem hat die Autorin einen sehr lebendigen, humorigen Schreibstil, was sich positiv auf das Gesamtbild auswirkt.
Dennoch wäre die Geschichte in einer lesbischen Anthologie besser aufgehoben, doch wie ich erfahren habe, plant die Kuschelgang durchaus eine Sammlung rein lesbischer Geschichten, was in meinen Augen eine sehr gute Idee ist. So gehen derartige Beiträge nicht so leicht unter.

Wie bereits erwähnt ist die Anthologie stilistisch ebenso unterschiedlich und abwechslungsreich, wie die Geschichten es sind. Einige Autoren sind durchaus erfahrener und haben bereits die ersten Romane und Anthologien hinter sind, was man deutlich an Stil und Wortwahl merkt, für andere ist die Veröffentlichung in „Es duftet nach Liebe“ der erste Schritt als Autor. Dementsprechend offen sollte man sein, wenn man die Geschichten liest. Hin und wieder stolpert man durchaus über den Satzbau, die Wortwahl oder die Grammatik einiger Kurzgeschichten, so dass diese sich nicht so leicht lesen lassen. Dafür ist es spannend, die ersten Gehversuche der Autoren zu beobachten und auch in Zukunft zu verfolgen.
Wer damit keine Probleme hat und sich an einigen ungünstig gewählten Ausdrucksformen nicht stört, wird an der Anthologie seine Freude haben. Zudem werden Fans romantisch-erotischer Lektüre auf ihre Kosten kommen, enthalten die meisten Geschichten doch ein Happy End, das im Horizontalen gefeiert wird. Nur wenige Kurzgeschichten beschränken sich auf eine jugendfreie Version, so dass sich die Anthologie eher an eine erwachsene Leserschaft richtet.

„Es duftet nach Liebe“ ist das erste gemeinsame Projekt der Kuschelgang und bietet dem Leser eine abwechslungsreiche und interessante Lektüre für Zwischendurch, die leider nie den Tiefgang erreicht, den man sich oftmals wünscht. Die meisten Geschichten sind zwar nett geschrieben und zumeist erheiternd, aber es mangelt an ernsteren Thematiken und realistischen Handlungen. Happy Ends sind nicht unbedingt verkehrt, doch eine Geschichte mit tragischem Ausgang wäre durchaus eine nette Abwechslung gewesen und hätte der Anthologie eine weitere Duftnote verpasst.
Die Autoren sind so unterschiedlich wie ihre Geschichten – als Leser sollte man sich entsprechend darauf einstellen, dass es Stile und Umsetzungen gibt, die einem nicht zusagen. Dafür entdeckt man möglicherweise neue Autoren, die man ansonsten im allgemeinen Bücherdschungel übersehen hätte.

Wer sich einen Überblick über die deutschen Gay Romance-Autoren verschaffen will, lockerleichte Geschichten mit Happy End mag und schwuler Erotik nicht abgeneigt ist, kann durchaus eine Blick riskieren. Hohe Literatur und ernste bzw. mitunter auch realistische Geschichten sollte man allerdings nicht erwarten. „Es duftet nach Liebe“ ist eine Anthologie für zwischendurch, bei der man den Inhalt der meisten Geschichten leider schnell wieder vergisst …

Titel:

Es duftet nach Liebe
Autor: Kuschelgang
Genre: Comedy, Romance, Drama
Verlag: Selbstverlag, 2013
Preis: 13,99 Euro
ISBN: 978-1490497198
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